www.humanecology.ch · Skripten 1998/99 · Einführung

5.2 Der transdisziplinäre Aspekt

Wir beginnen mit dem Prozess der integrativen Verknüpfung zunächst bei der Wissenschaft selbst. Ihre disziplinäre Zersplitterung muss im Hinblick auf eine Lösung der Umweltprobleme mit transdisziplinären Ansätzen überwunden werden, denn wir leben in einer Zeit, in der "uns die Probleme schon lange nicht mehr den Gefallen tun, sich selbst fachlich oder disziplinär, das heisst nach dem Wissen des wissenschaftlichen Spezialisten zu definieren."156 Dabei kommt, wie schon angetönt, einer Überbrückung des Grabens zwischen Human- und Naturwissenschaften besondere Bedeutung zu. Sonst können wir ein Problem immer nur fragmentarisch angehen, und das kann umso katastrophalere Auswirkungen haben, je komplexer der Untersuchungsgegenstand ist. Die Mensch-Umwelt-Beziehung aber ist offensichtlich von höchster Komplexität.
Eine offene, ungelöste Frage aber bleibt, wie denn transdisziplinäres Arbeiten überhaupt anzugehen ist, damit es fruchtbar wird, denn es ist ja gerade die Spezialisierung, die der üblichen Wissenschaft zum Erfolg verhilft. Entsprechend verfügen wir auch über keine disziplinen-verbindenden Theorien und müssen deshalb eine Pragmatik der "Integration durch Problembezug" entwickeln. Dies ist aber leichter gesagt als getan, denn es herrscht unter den verschiedenen Disziplinen eine babylonische Sprachverwirrung, die einer effizienten "ökologischen Kommunikation" im Wege steht. Wenn aber integrative Strukturen fehlen und auch kaum kreiert werden können, stellt sich die Frage nach den integrativen Fähigkeiten der involvierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, d.h. die Frage, wie weit diese es vermögen, die Grenzen ihrer eigenen Disziplin in transdisziplinärer Weise zu überschreiten und dabei Abstriche bei der je eigenen Spezialisierung in Kauf zu nehmen.

Anmerkungen

156
Mittelstrass 1992: 250.